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Monatshygiene
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Unter dem Begriff Monatshygiene (auch Menstruationshygiene und Damenhygiene genannt) wird die Verwendung von Hygieneartikeln zusammengefasst, die Frauen wĂ€hrend ihrer Menstruation, wĂ€hrend des Wochenflusses nach einer Geburt oder auch dauernd benutzen, um WĂ€sche vor Blut, Zervixschleim, Vaginalsekret und anderen natĂŒrlichen Ausscheidungen zu schĂŒtzen, die bei geschlechtsreifen Frauen im Bereich der Vulva bzw. Vagina auftreten.
In den industriell erschlossenen LĂ€ndern spielen bei der Monatshygiene industriell hergestellte Artikel eine SchlĂŒsselrolle, darunter Damenbinden, Slipeinlagen, Tampons, MenstruationsschwĂ€mme, Softcups, PeriodenunterwĂ€sche und Menstruationstassen.
Contents
âą Grundlagen
âą Kosten
âą Periodenarmut
âą Besteuerung
âą Kostenfreiheit
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Grundlagen
Bei einer normalen Menstruation werden bis zu 60 ml Blut ausgeschieden, das sind etwa 10 ml pro Tag, wobei der Blutfluss in den ersten Tagen deutlich stÀrker sein kann als in den spÀteren.cite-ref-1[1] Viele Frauen haben auch Perioden, bei denen im Verlaufe einer Woche mehr als 80 ml Blut ausgeschieden werden (Hypermenorrhoe).
Die Menge des Vaginalsekrets schwankt mit dem Monatszyklus und ist am höchsten in den Tagen nach dem Eisprung.cite-ref-2[2] Durchschnittlich betrÀgt sie etwa 4 bis 6 ml pro Tag.cite-ref-3[3] Mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,4 befindet sich Vaginalsekret im sauren Bereich; insbesondere dunkle UnterwÀsche kann durch lÀngeren Kontakt mit dem Sekret Bleicheflecken annehmen.
Monatshygiene ohne industrielle Produkte
â
Hauptartikel
:
âMonatshygieneâ im Artikel Kulturgeschichte der Menstruation
Im kaiserzeitlichen China verfĂŒgten Frauen dank der Erfindung von Textilen und Papier ĂŒber verschiedene Typen handgefertigter Binden, die mit BĂ€ndern oder Schals am HĂŒftgĂŒrtel befestigt wurden, darunter Textiltaschen, die mit saugfĂ€higem Material gefĂŒllt wurden, sowie Einwegbinden aus Strohpapier, Baumwolle oder Altkleidern.cite-ref-4[4]
In Europa benutzten Frauen Binden aus Leinen, spĂ€ter auch Baumwolle als diese gĂŒnstiger wurde, die an sog. MonatsgĂŒrteln angeknöpft oder -gebunden getragen wurden (die damals noch sehr locker geschnittenen und oft im Schritt offenen Unterhosen machten eine separate Befestigung erforderlich). Es gab verschiedenste Schnittmuster, vom einfachen Tuch das in der Diagonalen zu einem schmalen Polster gefaltet wurde ĂŒber recht komplexe Modelle die eine Art Einschubtasche fĂŒr eine Saugeinlage aus einem weiteren StĂŒck Stoff oder Lumpen aufwiesen, bis hin zu wattierten und gesteppten Polstern die optisch schon an heutige Einwegbinden erinnern. Diese Formen der Monatsbinde blieben auch nach EinfĂŒhrung industrieller Produkte verbreitet da sie zuhause aus anderweitig nicht mehr verwendbaren Stoffresten, Altkleidern und Ă€hnlichem praktisch kostenfrei gefertigt werden konnten. Nur die Ă€rmsten Bevölkerungsschichten verwendeten nicht weiter bearbeitete Lumpen als Binden.
Monatshygiene mit industriellen Produkten
MonatsgĂŒrtel, Monatsbinden und Damenhöschen
Vor 1900
Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert produzierte die 1883 im Böhmischen Hohenelbe gegrĂŒndete Verbandstofffabrik Paul Hartmann Damenbinden, die das aus Holzwolle gefertigte Verbandmaterial âMulpaâ aufnehmen konnten, das blockförmig komprimiert geliefert wurde.cite-ref-7[7]
Carl Moritz Marwede, der in Neustadt am RĂŒbenberge bei Hannover seit 1888 eine Fabrik fĂŒr âchirurgische MoosprĂ€parateâ betrieb, hatte in seiner Produktpalette aus Torfmoos gefertigte, fĂŒr den Einmalgebrauch konzipierte Binden, die er an seine Kundinnen per Post versandte.cite-ref-8[8]
1893 lieĂ die Stuttgarter Firma Wilhelm Julius Teufel ihren âDianagĂŒrtelâ patentieren.cite-ref-9[9] ErgĂ€nzt wurde der GĂŒrtel spĂ€ter von einer âFlauminbindeâ mit dem Modellnamen âCleopatraâ, die aufgerollt benutzt und zum Waschen ausgebreitet wurde.cite-ref-10[10] Daneben produzierte die Firma auch Binden aus Frottierstoff.cite-ref-11[11]
In den Vereinigten Staaten brachten 1897 Johnson & Johnson Binden fĂŒr den Einmalgebrauch auf den Markt, die aus in Mull eingeschlagener Wattekissen hergestellt wurden. Das Unternehmen vertrieb sie zunĂ€chst als âListerâs Towelsâ und von den 1920er Jahren an unter dem Markennamen âNupakâ.cite-ref-12[12] Die Vermarktung war im ausgehenden 19. Jahrhundert schwierig, weil die ErwĂ€hnung der weiblichen Körperfunktionen als nicht schicklich galt.cite-ref-smag-13-0[13]
1900â1950
Im frĂŒhen 20. Jahrhundert trugen manche Amerikanerinnen, wenn sie ihre Periode hatten, unter dem Rock eine aus Gummi und Stoff genĂ€hte âSchĂŒrzeâ (engl. sanitary apron), die verhindern sollte, dass Blut zur Oberbekleidung durchdrang.cite-ref-14[14]
Nachdem Krankenschwestern im Ersten Weltkrieg entdeckten, dass Verbandmaterial sich besser fĂŒr die Aufnahme von Menstruationsblut eignete als die StoffstĂŒcke, die sie bis dahin verwendet hatten, kaufte der Papierhersteller Kimberly-Clark Material aus ĂŒbriggebliebenen VerbandsbestĂ€nden der amerikanischen Armee auf und brachte von 1921 an unter dem Markennamen âKotexâ Einwegbinden auf den Markt.cite-ref-15[15] Um die Kotex-Binden benutzen zu können, trugen Frauen MonatsgĂŒrtel (engl. sanitary belts), meist der populĂ€ren Marke âHoosierâ, die â hinten an einem Straps und vorn an einer Metallschnalle â Sicherheitsnadeln hielten, an denen die Binden festgesteckt wurden. Obwohl die GĂŒrtel als unbequem galten, blieben sie bis in die 1970er Jahre in Gebrauch.cite-ref-16[16]
In Deutschland entwickelten im Jahre 1926 die Vereinigten Papierwerke NĂŒrnberg, die spĂ€ter auch Tempo-TaschentĂŒcher vermarkteten, eine Zellstoffbinde im Netzschlauch fĂŒr den Einmalgebrauch; das Produkt trug den Namen âCameliaâ.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]
Seit 1950
In der Deutschen Demokratischen Republik waren seit den 1950er Jahren die aus Zellstoff, Gaze und Pappe gefertigten Binden der Marken âAlba Zellâ und âRosa Extraâ beliebt.cite-ref-19[19]
In der Bundesrepublik Deutschland brachten die Vereinigten Papierwerke NĂŒrnberg 1958 eine Binde âCamelia Recordâ heraus, die anstelle eines Mull- einen Vlieseinschlag hatte, der FlĂŒssigkeit am Vorbeilaufen hindern sollte. Nachdem amerikanische Produkte bereits 1970 mit Klebestreifen ausgestattet waren, erschien in der BRD im Jahre 1973 als erste selbstklebende Binde die âCamelia 2000â, und 1973 â da viele Frauen wegen der Einnahme der Antibabypille statt einer Monatsblutung eine schwĂ€chere Abbruchblutung hatten â die âCamelia Miniâ.cite-ref-cam-20-0[20] Nachdem Kotex in den Vereinigten Staaten bereits 1975 eine Slipeinlage vorgestellt hatte, folgten Johnson & Johnson 1976 mit dem Produkt âCarefreeâ.cite-ref-21[21] Von 1977 an war das Produkt auch in Deutschland erhĂ€ltlich.cite-ref-22[22] Camelia folgte 1981 mit einer eigenen Slipeinlage.cite-ref-cam-20-1[20] Einige Frauen tragen Slipeinlagen bei sehr leichten Monatsblutungen, nach Geschlechtsverkehr und oft auch zum alltĂ€glichen Schutz der WĂ€sche vor Vaginalsekret.cite-ref-23[23]
In den Vereinigten Staaten, GroĂbritannien und Frankreich fĂŒhrte Procter & Gamble 1983 die Marke âAlwaysâ ein; in Deutschland sind die Produkte seit Sommer 1991 im Handel.cite-ref-24[24] Unter anderen Markennamen werden sie heute auch in vielen anderen LĂ€ndern vertrieben. 1986 prĂ€sentierte Procter & Gamble die âAlways Plusâ, eine Binde, die seitliche FlĂŒgel hatte, was ein Vorbeilaufen des Blutes an der Seite der Binde verhindern sollte. 1991 folgte die âAlways Ultraâ, die die aufgesaugte FlĂŒssigkeit in auslaufsicheres Gel verwandelt und darum weitaus dĂŒnner sein konnte als bisherige Binden.cite-ref-25[25] In der 2008 herausgebrachten âAlways Infinityâ wird das noch stĂ€rker bindende Material âFlex Foamâ verwendet.cite-ref-26[26] Insgesamt wurden 2016 unter dem Markennamen âAlwaysâ 34 verschiedene Binden und 17 verschiedene Slipeinlagen angeboten. Daneben werden unter dem Label âAlwaysâ auch FeuchttĂŒcher vermarktet.cite-ref-27[27]
Einen groĂen Marktanteil hat in Deutschland heute auch das Unternehmen TZMO, das 1951 im ukrainischen Torun als Verbandsstofffabrik gegrĂŒndet wurde, seit 2003 aber auch Damenhygieneartikel fertigt, die im deutschsprachigen Raum unter dem Markennamen âBellaâ im Discountsegment gehandelt werden;cite-ref-28[28] in Mittel- und Osteuropa hĂ€lt diese Produktlinie den gröĂten Marktanteil.
FĂŒr die Einlage von Binden gab und gibt es spezielle Monatshöschen, die im Schritt aus undurchlĂ€ssigem Material gearbeitet sind.
Moderne Textilprodukte
Mit dem Wiederaufleben der Textilwindel fĂŒr Babys kam in den 1980er Jahren auch die Stoffbinde fĂŒr Frauen zurĂŒck. So grĂŒndete Marie Walleberg 1988 im schwedischen Visby das Unternehmen ImseVimse, das neben Stoffwindeln heute auch Stoffbinden produziert.cite-ref-29[29] Eco femme verkauft Baumwollbinden und spendet einen Teil der Profite an karitative Projekte in Indien.cite-ref-30[30] Daneben gibt es zahlreiche weitere Anbieter, wie das österreichische Unternehmen Popolini, das deutsche Unternehmen Kulmine (1993 in OsnabrĂŒck als Die Vivas gegrĂŒndet) und die in China produzierende Firma Dutchess.cite-ref-31[31]
Die in Brooklyn ansĂ€ssige Unternehmerin Miki Agrawal brachte im FrĂŒhjahr 2015 waschbare Periodenslips (engl. period panties, Markenname âThinxâ) auf den Markt, die wie gewöhnliche UnterwĂ€sche aussehen, aber aus sehr saugfĂ€higem Material bestehen und wĂ€hrend der Menstruation ohne weiteren Schutz getragen werden können.cite-ref-32[32] Bei der Verleihung der World Technology Awards 2015 wurde Agrawal aufgrund dieses Marktgangs als Social Entrepreneur of the Year ausgezeichnet.cite-ref-33[33]
Diese moderne MenstruationsunterwĂ€sche kann durch eine geeignete Auswahl der Textilien und einen sandwichartigen mehrschichtigen Aufbau wie ein Schwamm bis zu 30 Milliliter FlĂŒssigkeit aufnehmen ohne durchzunĂ€ssen. Sie ist gebraucht maschinenwaschbar und wiederverwendbar und hat seit MarkteinfĂŒhrung weite Verbreitung gefunden.cite-ref-34[34]
Tampons und SchwÀmmchen
Einwegtampons
Der Zellstofftampon mit RĂŒckholbĂ€ndchen, der das Menstruationsblut direkt in der Vagina aufnimmt, wurde 1929 von Earle Haas, einem amerikanischen Osteopathologen, erfunden. Haas lieĂ die Erfindung patentieren, konnte sie aber nicht vermarkten. 1933 erwarb die GeschĂ€ftsfrau Gertrude Tendrich das Patent und verhalf damit dem 1936 gegrĂŒndeten Unternehmen Tampax zu einem steilen Aufstieg.cite-ref-35[35] Haas hatte Wert darauf gelegt, dass die Benutzerinnen den Tampon nicht mit den Fingern berĂŒhrten. Die Tampax-Produkte waren darum mit einem Applikator, einem Teleskopröhrchen aus Karton, ausgestattet.cite-ref-36[36] In den 1960er Jahren erwuchs dem Unternehmen Konkurrenz durch Ă€hnliche Produkte des 1947 gegrĂŒndeten Unternehmens Playtex.cite-ref-37[37] Playtex lieĂ 1973 einen Applikator aus Plastik patentieren; obwohl es mittlerweile Alternativen aus Pappe gibt, wird bei vielen Tampons mit Applikator immer noch Plastik verwendet.cite-ref-38[38]
Unter den Markennamen Wix und Fax wurden in den Vereinigten Staaten frĂŒh auch Tampons ohne Applikator gehandelt.cite-ref-39[39] In den 1950er Jahren folgten die âPursettesâ-Tampons, die zum leichteren EinfĂŒhren eine befeuchtete Spitze hatten; eine jĂŒngere Zielgruppe wurde erstmals intensiv beworben.cite-ref-40[40]
Nach Deutschland gelangte die Idee 1947 durch den Ingenieur Carl Hahn, der eine eigene Firma grĂŒndete und die Technologie des Tabakrollens, die er zuvor als Leiter des Bremer Zigarettenherstellers Martin Brinkmann kennengelernt hatte, fĂŒr die Herstellung von Wattetampons adaptierte.cite-ref-41[41] Hahns o.b.-Tampons wurden von 1950 an verkauft.cite-ref-42[42]
In den Vereinigten Staaten entwickelten Procter & Gamble 1978 einen Tampon aus stĂ€rker absorbierendem Material, der bei der Ausdehnung eine glockenĂ€hnliche Form annahm. In den frĂŒhen 1980er Jahren wurde dieses neue Material vereinzelt mit dem toxischen Schocksyndrom in Verbindung gebracht, das bei mehreren Frauen zum Tode gefĂŒhrt hatte.cite-ref-smag-13-1[13]
In der DDR wurden bis 1989 Tampons der Marke Imuna gehandelt, die im VEB Vliestextilien LöĂnitztal produziert wurden.cite-ref-43[43] In der BRD gab es ab 1995 auch Tampons von Camelia.cite-ref-cam-20-2[20]
In Florida wurde 1989 ein Produkt namens âFresh ânâ Fit Padettesâ vorgestellt, ein Tampon fĂŒr leichte Tage, der nicht in die Vagina eingefĂŒhrt, sondern zwischen die Schamlippen gelegt und nur an leichteren Tagen der Periode verwendet werden sollte.cite-ref-44[44] Als âinSync Miniformâ wurde der Artikel 1997 ein zweites Mal vorgestellt, fand bei den Kunden aber kein Interesse.cite-ref-45[45] Seit 2008 ist es erneut als âUnique Miniformâ auf dem Markt, nun allerdings eher fĂŒr die Anwendung bei Blaseninkontinenz.cite-ref-46[46]
Mehrwegprodukte
Als Alternative zu Einwegtampons sind auch waschbare Tampons im Handel.cite-ref-47[47] StĂ€rker nachgefragt sind allerdings MenstruationsschwĂ€mme, wie sie etwa das 1974 in Florida gegrĂŒndete Unternehmen Jade & Pearl vertreibt; MenstruationsschwĂ€mmchen sind unbehandelte kleine NaturschwĂ€mme, die ohne RĂŒckholbĂ€ndchen in die Vagina gesteckt und spĂ€ter mit Zeige- und Mittelfinger wieder herausgezogen werden.cite-ref-48[48] Entsprechende Produkte aus Kunststoff werden als Softtampons bezeichnet. Anders als Tampons brauchen SchwĂ€mme und Softtampons wĂ€hrend eines Geschlechtsverkehrs nicht entfernt zu werden.
Menstruationstassen und Menstruationsscheiben
Menstruationstassen
Die erste Menstruationstasse wurde 1867 in den Vereinigten Staaten als âCatamenial sackâ patentiert, aber nie industriell hergestellt. Die Erfindung bestand aus einem an einem Ring befestigten SĂ€ckchen, das in die Vagina eingefĂŒhrt und mit dem Ring so vor den Muttermund platziert werden sollte, dass der Blutfluss direkt im SĂ€ckchen gesammelt wĂŒrde. Der Erfinder vermutete, dass das SĂ€ckchen seine Position ohne Stabilisierung von auĂen nicht behalten wĂŒrde, und fĂŒgte darum einen HĂŒftgĂŒrtel hinzu, der mit dem SĂ€ckchen durch einen Draht verbunden war.cite-ref-49[49]
1937 lieĂ die Amerikanerin Leona Chalmers eine Menstruationstasse aus Gummi patentieren, die in der Form eines Kelches gearbeitet war. Chalmers ging davon aus, dass die Tasse von der Beckenbodenmuskulatur gehalten und in der Vagina also gar nicht verrutschen wĂŒrde; zum Entleeren und Reinigen versah sie die Tasse lediglich mit einem kurzen Stiel. Die Erfindung wurde als âTass-etteâ in kleiner StĂŒckzahl produziert, bis im Zweiten Weltkrieg Gummi so knapp wurde, dass Chalmers die Herstellung einstellen musste.cite-ref-50[50] Mit UnterstĂŒtzung des Unternehmers Robert Oreck brachte Chalmers das Produkt unter der Bezeichnung âTassetteâ Ende der 1950er Jahre erneut heraus. Die âTassetteâ fand nur in kleinen StĂŒckzahlen Absatz; 1963 wurde die Produktion ganz eingestellt. In den spĂ€ten 1960er Jahren â die Massenproduktion von Einwegbinden hatte begonnen â unternahm Chalmers einen erneuten Versuch mit einer Einweg-Menstruationstasse âTassawayâ, die in kleinen StĂŒckzahlen bis 1973 produziert wurde.cite-ref-51[51]
1987 nahm ein in Cincinnati gegrĂŒndetes Unternehmen die Idee der âTassetteâ auf und produziert seitdem Menstruationstassen aus Gummi (âThe Keeperâ) und aus Silikon (âThe Moon Cupâ).cite-ref-52[52] Silikon hat sich, weil es leichter und flexibler als Gummi (âLatexâ) ist und keine Allergien auslöst, seitdem als Standardmaterial durchgesetzt. Seit 2005 bietet das finnische Unternehmen Lunette Ă€hnliche Produkte an.cite-ref-53[53]
Das schwedische Unternehmen Intimina folgte 2012 mit einer asymmetrisch geformten Tasse âLily Cupâ, und 2014 mit einer zusammenfaltbaren Tasse âLily Cup Compactâ.cite-ref-54[54] Daneben gibt es verschiedene weitere Anbieter, darunter die kanadische Firma Diva International (âDiva Cupâ), die ihre Produkte auch in groĂen nordamerikanischen Kaufhaus- und Drogerieketten vermarktet.cite-ref-55[55]
Menstruationsscheiben
Das Unternehmen Instead Healthcare in San Diego brachte 1996 einen âSoftcupâ heraus, eine Einwegscheibe, die aus einem PolyethylensĂ€ckchen besteht, das an einem flexiblen Kunststoffring befestigt ist. Der Ring ist gröĂer als der Umfang einer Menstruationstasse und das Produkt sitzt vor dem Muttermund in Ă€hnlicher Position wie ein Diaphragma. Anders als eine konventionelle Menstruationstasse braucht ein Softcup oder eine Menstruationsscheibe bei vaginalem Geschlechtsverkehr nicht herausgenommen zu werden.cite-ref-56[56] Die Firma Evofem, die Instead 2009 ĂŒbernahm, ergĂ€nzte ein Produkt, das innerhalb eines Zyklus mehrmals verwendbar ist, danach aber weggeworfen werden sollte.cite-ref-57[57] Heute gibt es Menstruationsscheiben von vielen verschiedenen Herstellern. Sie bestehen ĂŒblicherweise aus medizinischem Silikon und bieten durch das gröĂere Volumen von bis zu 75 ml bis zu 12 Stunden Auslaufschutz. Menstruationsscheiben können auch beim Schwimmen genutzt werden. Ein Unterschied zur Menstruationstasse besteht darin, dass die Menstruationsscheibe von den meisten Menstruierenden entleert werden kann, ohne vollstĂ€ndig entfernt zu werden. Das ist möglich, weil sich die Scheibe beim Urinieren durch die andere Körperposition und Anspannung der Beckenbodenmuskulatur leicht verschiebt und so ihren Inhalt teilweise entleert.cite-ref-58[58]
Kosten
Periodenarmut
Periodenarmutcite-ref-59[59] beschreibt zum einen den Fall, dass sich menstruierende Frauen aufgrund ihrer finanziellen Situation keine oder nur eine begrenzte Auswahl an Monatshygieneartikeln leisten können oder zwischen Hygieneartikeln und anderen zum Leben notwendigen Produkten abwĂ€gen mĂŒssen. Zum anderen fallen darunter finanzielle Benachteiligungen, die beispielsweise dadurch entstehen, dass menstruierenden Frauen in Armut leben, da ihnen der Zugang zu Berufen aufgrund ihrer Menstruation verwehrt bleibt, weil sie etwa der Schule fern bleiben und sich dadurch ihre Bildungschancen verringern. Auch ein Grund fĂŒr Periodenarmut können Krankheiten sein, die durch die Menstruation oder das Fehlen von sauberen Hygieneprodukten oder RĂ€umlichkeiten ausgelöst werden.cite-ref-60[60]
âą In Afrika nimmt beispielsweise im Schnitt eines von zehn MĂ€dchen nicht am Schulunterricht teil, da sie keinen Zugang zu Hygieneprodukten haben oder es keine sicheren, privaten und hygienischen Toiletten in der Schule gibt. Allein in Kenia haben etwa 50 % der weiblichen Schulkinder keinen Zugang zu Menstruationsprodukten.cite-ref-61[61]
⹠In Indien können sich etwa 12 % der 355 Mio. menstruierenden Frauen keine Periodenprodukte leisten.cite-ref-62[62]
Besteuerung
Mit einer Umsatzsteuer in Höhe von 19 % war die Besteuerung von Monatshygieneartikeln in Deutschland bis zum 31. Dezember 2019 höher als in den meisten anderen LĂ€ndern.cite-ref-63[63] Aufgrund einer erfolgreichen Petition der Aktivistinnen Nanna Josephine Roloff und Yasemin Kotra aus Hamburg gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2020 fĂŒr Menstruationsprodukte der verminderte Mehrwertsteuersatz von 7 %.
In Ăsterreich wurde die Umsatzsteuer auf Menstruationsprodukte nach jahrelanger Einforderung gesenkt und betrĂ€gt seit dem 1. Januar 2021 10 % anstatt der vorherigen 20 %. In der Schweiz gilt die Umsatzsteuer von 7,7 %.
Eine vollstĂ€ndige Befreiung von der Umsatzsteuer ist in der EU erst seit April 2022 zulĂ€ssig, da die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie fĂŒr Hygieneprodukte zuvor einen Mindeststeuersatz von 5 % vorsah.cite-ref-64[64]
In den meisten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten werden weibliche Hygieneprodukte steuerrechtlich nicht als Waren des tĂ€glichen Bedarfs, sondern als Luxusartikel eingestuft. Anders als z. B. Verbandsmaterialien, Schmerztabletten oder SĂŒĂigkeiten sind sie in den betreffenden Staaten darum nicht von der Verbrauchssteuer (sales tax) befreit.cite-ref-65[65] Seit Kanada die sogenannte Tampon tax 2015 abgeschafft hat, wird sie vor allem in den Vereinigten Staaten als Benachteiligung von Frauen kontrovers diskutiert.cite-ref-66[66] International ist der Umgang von Staaten mit der Tampon Tax unterschiedlich. Kenia schaffte die Tamponsteuer bereits 2004 ab â Kanada, Malaysia, Indien und Australien folgten.cite-ref-67[67]
Kostenfreiheit
Schottland beschloss, Periodenprodukte zukĂŒnftig in öffentlichen Einrichtungen kostenlos zur VerfĂŒgung zu stellen.cite-ref-68[68] Am 24. November 2020 verabschiedete das Schottische Parlament das entsprechende Gesetz.cite-ref-69[69]cite-ref-70[70]
Literatur
âą Walter Stolle, Sabine Zinn-Thomas: Menstruation: Monatshygiene im Wandel von 1900 bis heute. Eine Ausstellung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt in der AuĂenstelle Lorsch, 26. November 1998 bis 31. Juli 1999. Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Darmstadt 1998, ISBN 978-3-926527-52-3.
âą Magdalena Handlechner: âTabu-Werbungâ: welche Unterschiede lassen sich in der Rezeption von Tampon-Werbung zwischen MĂ€nnern und Frauen feststellen? (= Akademische Abhandlungen zur Kommunikationswissenschaft). VWF Verlag fĂŒr Wissenschaft und Forschung, Berlin 2005, ISBN 978-3-89700-429-0 (137 S., Magisterarbeit UniversitĂ€t Salzburg 2005).
Weblinks
Wikibooks: Alternative Menstruationshygiene
â Lern- und Lehrmaterialien
âą Museum of Menstruation & Womenâs Health. Abgerufen am 17. Juni 2016 (englisch, Umfangreiche Ressourcensammlung).
âą Hygieneprodukte â Informationen des Bundesamts fĂŒr Lebensmittelsicherheit und VeterinĂ€rwesen
Einzelnachweise
cite-note-11. â I. S. Fraser, G. McCarron, R. Markham: A preliminary study of factors influencing perception of menstrual blood loss volume. Abgerufen am 14. Juni 2016.
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